Alltagsintegrierte Sprachbildung in der Kita ist weit mehr als das gezielte Üben von Wörtern oder das Vorlesen von Bilderbüchern. Sie findet genau dort statt, wo Kinder leben, spielen, entdecken – im Betreuungsalltag.


Ob beim Frühstück, auf dem Spielplatz oder beim Anziehen:
Jeder Moment im Kita-Alltag kann eine Gelegenheit sein, Sprache zu erleben und weiterzuentwickeln. Dabei ist der Dialog mit dem Kind der Schlüssel zu erfolgreicher Sprachbildung.

Sprache bedeutet nicht nur das gesprochene Wort
– sie zeigt sich in Gesten, Mimik, Lauten, Blicken, Gebärden und Handlungen. In der alltagsintegrierten Sprachbildung wird all dies als Teil kindlicher Kommunikation gesehen und wertgeschätzt.

Denn Sprache ist Ausdruck von Gedanken, Gefühlen, Wünschen und Erlebnissen und sie wächst dort, wo Beziehung und Begegnung möglich sind.

Päd. Kraft im Kita-Alltag

Sprachbildung in der Kita ist gesetzlich verankert

Sprachbildung ist fester Bestandteil von Kinderbetreuung und im Bundesland Nordrhein-Westfalen im Kinderbildungsgesetz und auch in den Bildungsgrundsätzen NRW verankert. Somit ist Sprachbildung eine Pflicht für pädagogische Kräfte – ebenso wie die Dokumentation der kindlichen Sprachentwicklung. Diese erfolgt meinst über geeignete und erprobte Bögen, wie z. B. BaSik. Sismik oder Seldak.

Alltag als Sprachlernraum: So gelingt Sprachbildung in der Kita

Alltagsintegrierte Sprachbildung bedeutet, Kinder in ihrem individuellen Spracherwerb zu begleiten. Nicht nur im Morgenkreis oder beim Bilderbuch, sondern in jedem anderen Moment des Tages. Ob beim Wickeln, Spielen, Essen oder Ankommen: Alles kann als Sprachanlass dienen. Sie wird nicht isoliert „unterrichtet“. Sprache entwickelt sich im gemeinsamen Tun, Fühlen und Erleben.
Kinder kommunizieren miteinander und mit den pädagogischen Kräften vielfältig, durch Sprechen, Zeigen, Gebärden, Gesten, Blicke und Mimik. Pädagogische Kräfte hören zu, beobachten aufmerksam, greifen auf, antworten, lassen Dialoge entstehen und begleiten Kinder dabei, ihre Sprache in all ihren Facetten zu entfalten.

  1. Doch was sind die Voraussetzungen für alltagsintegrierte Sprachbildung in Kindertageseinrichtungen?
  2. Wie können wir die Sprachentwicklung über Gespräche hinaus fördern?
  3. Wie kann ich mir alltagsintegrierte Sprachförderung in konkreten Situationen vorstellen?
  4. Welche Leitgedanken unterstützen päd. Kräfte im Kita-Alltag?
  5. Wie können wir Sie unterstützen?

1. Was braucht alltagsintegrierte Sprachbildung?

  • Zeit und Raum, um miteinander ins Gespräch zu kommen – auch ohne Lautsprache.

  • Aufmerksamkeit, für alle Ausdrucksformen und individuelle Kommunikationswege der Kinder.

  • Wertschätzung, für die Vielfalt von Sprache (laut, leise, sichtbar und unsichtbar).

  • Offenheit, für die Vielzahl an Sprachen und Ausdrucksweisen, die in der Kita lebendig werden.

2. Ideen zur alltagsintegrierten Sprachförderung in der Kita

Schriftsprache im Raum spielt eine entscheidende Rolle: Beschriftungen von Alltaggeständen, Namensschilder, Wochentage, Kalender oder Begrüßungen an der Tür machen Sprache sichtbar und vertraut. Wenn Kinder sehen, wo ihr Becher steht oder wie ihr Name geschrieben wird, erleben sie Schrift als etwas, das ihnen gehört, ganz intuitiv und mitten im Alltag.

Es können z. B. Bilderbücher, Erzählkarten, Kamishibai oder Symbolwürfel sein, die zum gemeinsamen Erzählen, Deuten und Wiederholen einladen.
Egal ob durch Lautsprache, Gebärden oder Mimik.

Piktogramme und andere visuelle Hilfen unterstützen nicht nur das Verstehen von Abläufen und Geboten, sondern geben Kindern Werkzeuge an die Hand, sich selbst auszudrücken, auch wenn ihnen keine Wörter zur Verfügung stehen.

Sprache entwickelt sich dort am besten, wo sie mit allen Sinnen erfahrbar wird: durch Bewegung, Schriftsprache, Dialoge, Gebärden, Bilder und mit Lippen, Zunge und Atmung.

Kinder werden ganzheitlich in ihrer sprachlichen Entwicklung durch Materialien unterstützt, die die Mundmotorik anregen. Sprachfördernde Materialien für den Mund können z. B. sein:
  • Beißringe zur Förderung der Kiefermuskulatur,
  • Trinkhalme oder Pustespiele (z. B. Wattebälle pusten) zur Stärkung der Lippen- und Atemmuskulatur,
  • Mundharmonikas, Flöten oder Pfeifen zur spielerischen Artikulationsförderung
  • Spiegel, in denen Kinder ihre Lippenbewegungen beobachten können,
  • Bilderkarten mit Mitmachübungen („zeig mir deine Lippen wie ein Fisch“, „mach die Zunge breit wie ein Pfannkuchen“
  • Eiswürfel oder Joghurt zum Fühlen mit der Zunge (Sprache geht auch über den Geschmackssinn!)

Diese Impulse lassen sich leicht in den Alltag integrieren und Kinder erleben spielerisch die Beschäftigung mit Lauten, Klängen und Bewegungen und das alles im jeweils eigenen Tempo.

Musik macht Mut zur Sprache in jeder Form. Sie schafft Gemeinschaft, bringt Struktur, weckt Emotionen und lädt Kinder zum Mitmachen ein. Musik ist damit ein kraftvoller Motor für sprachliche Entwicklung. Sie braucht keine gemeinsame Lautsprache, um zu wirken. Oft entsteht mitten im Singen ein
echtes Gespräch über Klänge, Wörter, Gefühle oder Erinnerungen.

Sprachbildung geschieht also auch beim Aufräumen, beim Hände waschen, beim Blick auf den Tagesplan, während des Singens, im Freispiel und überall dort, wo Kinder Sprache im Alltag sehen, erleben, anwenden und verstehen können. Sie wird durch unterschiedlichste Materialien gefördert. Wir laden Sie ein die Kita so zu gestalten, dass Sie bereits vielen Sprachanlässe für Kinder unterschiedlichen Lebens- und Entwicklungsalters enthält.

3. Beispiele Sprachförderung aus dem Kita-Alltag

Sprache wächst individuell, mal laut und schnell, mal still und bedacht, aber immer in Beziehung und Begegnung. Ganz oft wächst Sprache auch unbewusst, in ganz alltäglichen Situationen, die Sie sicherlich kennen:

Ein Kind sagt „pan“ (spanisch für Brot). Die pädagogische Kraft wiederholt: „Ja, das ist Brot.“ Diese Szene wiederholt sich in den folgenden Tagen. Am vierten Tag zeigt ein anderes Kind auf das Brot und sagt ebenfalls: „pan“ Die pädagogische Kraft lächelt und sagt: „Ja, das ist pan. Du hast das spanische Wort für Brot gelernt.“

Essen ist nicht nur Genuss, sondern auch eine Gelegenheit zum Beschreiben, Vergleichen und Erzählen. Essensituationen bietet vielfältige Chancen zur Wortschatzerweiterung und spiegeln die diverse Lebenswelt der Kinder und ihrer Familien wider.

Ein Kind ruft: „Ich baue ein Schloss!“ Ein anderes schaut herüber: „Ich helfe dir!“
Die Kinder beginnen zu bauen, erklären sich gegenseitig ihre Ideen, tauschen Wörter aus wie: „Turm“, „Brücke“, „hoch“. Die pädagogische Kraft hört zu, greift ein Wort auf und fragt: „Was braucht ein Schloss noch?“

Lautsprache entwickelt sich durch Spiel, Phantasie und echtes Interesse.

Die pädagogische Kraft fragt: „Hörst du den Wind?“ „Der Regen klingt wie…?“

Natur wird zur Bühne für Sprache, für Sinneseindrücke, für Fantasie.

Ein Kind steht am Zaun und beobachtet eine Schnecke. Das Kind winkt die pädagogische Kraft heran, zeigt mit dem Finger auf die Schnecke, lacht. Die pädagogische Kraft geht in die Hocke, schaut mit und sagt: „Eine Schnecke. Die Schnecke ist gaaaaaaanz langsam.“ Das Kind nickt. Beide bleiben im Gras sitzen und schauen der Schnecke zu.

Kommunikation geschieht hier über geteilte Aufmerksamkeit, Blicke, gemeinsame Stille – auch das ist Sprache.

„Ich sehe das du weinst. Magst du erzählen, was passiert ist?“

Emotionale Momente sind besonders sprachintensiv, wenn wir sie bewusst begleiten.

Ein Kind bringt ein Bilderbuch mit. Es zeigt auf ein Bild und sagt auf Türkisch: „Kedi!“

Die pädagogische Kaft fragt: „Kedi? Katze?“ Das Kind nickt. Ein anderes Kind meldet sich: „Bei mir heißt das mau!“ Die Runde lacht. Die pädagogische Kraft greift es auf: „Wie heißt Katze bei euch zu Hause?“

Sprache wird nicht sortiert, sondern geteilt.

Wir laden Sie dazu ein, einen Tag mal bewusst wahrzunehmen wie viele Sprachanlässe Sie mit Kindern begleiten. Denn: Diese achtsamen Momente sind es, die für die Kinder wirklich zählen.

4. Wie können pädagogische Kräfte die Sprachbildung aktiv unterstützen?

  • Sprache immer mit Handlung, Erlebnis und Beziehung verknüpfen.
  • Jede päd. Kraft in der Kita ist ein Sprachvorbild für Kinder.
  • Benennen und beschreiben, ohne zu überfrachten.

  • Unterschiedliche Ausdrucksformen nutzen (wie Worte, Gebärden, Bilder, Piktogramme, Gesten, Mimik).

  • Ermutigen, statt korrigieren.

  • Mehrsprachigkeit anerkennen und wenn möglich aktiv einbinden.
  • Räume schaffen, in denen auch Stille und Nachdenken Platz haben.

  • Kindern fragend und nicht wissend begegnen, Dialoge schaffen.

Alltagsintegrierte Sprachbildung bedeutet nicht, möglichst viel zu reden, sondern wirklich verstanden zu werden und wirklich zu verstehen.
Sie ist kein Extra, sondern Teil von Beziehung, Spiel, Sprachhygiene und gemeinsamer Neugier.
Sprache beginnt mit einem offenen Herzen und einem wachen Blick, der Vielfalt sieht und annimmt. Jedes Kind hat etwas zu sagen in der jeweils eigenen Sprache, die wir lernen dürfen zu hören und zu verstehen.
Deshalb ist es besonders wichtig Kindern gegenüber 3 Werte auszudrücken:

  • Ich sehe dich.
    Ich nehme deine Ausdrucksformen wahr, ganz gleich, ob du laut sprichst, mit den Händen erzählst oder deine Gefühle mit Blicken zeigst.

  • Ich höre dir zu.
    Sprache zeigt sich in einer Vielfalt an individuellen Formen. Ich schenke dieser Vielfalt meine Anerkennung, nehme sie ernst und gebe dir Raum dich auszudrücken.
  • Ich nehme dich ernst.
    Deine Sprache ist wichtig, deine Art dich mitzuteilen wertvoll und richtig. 

Das Story-Board öffnet Kindern eine Bühne für Fantasie, Ausdruck und gemeinsames Gestalten, unabhängig von Sprache, Herkunft oder individuellen Fähigkeiten. Auf einem mobilen Laufband mit Green-Screen können Kinder Figuren bewegen, Kulissen gestalten, Geräusche, Musik/ Klänge aufnehmen und ihre eigenen Geschichten filmen. Ein Beamer kann die Szenen live an die Wand projetzieren. So entstehen kleine Filme, die Kreativität, Teamarbeit und Selbstwirksamkeit spielerisch fördern. Das Story-Board ist vielseitig einsetzbar, z B. im Freispiel, für Projekte, Feste oder Familienabende. Kinder können sich als Autor:innen, Regisseur:innen, Techniker:innen, Gestalter:innen und Ideengeber:innen erleben. Die unterschiedlichen Rollen ermöglichen ein hohes Maß an Partizipation und eröffnen neue Formen des gemeinsamen Lernens und kreativen Ausdrucks.


Vom Gedanken zur Geschichte – der kreative Ausgangspunkt

Bevor die ersten Figuren auf dem Laufband ins Rollen kommen, steht eine zentrale Frage: „Welche Geschichte wollen wir erzählen?“. Dieser Moment ist der eigentliche Startpunkt des kreativen Prozesses. Kinder sammeln Ideen, tauschen sich aus, hören einander zu und entwickeln gemeinsam oder allein erste Handlungsstränge. Manche orientieren sich an Erlebnissen aus ihrem Alltag, andere erfinden fantastische Welten voller Zauberwesen oder Abenteuer. In dieser Phase entstehen die ersten kreativen Funken: Figuren werden charakterisiert, Orte beschrieben, Spannungsmomente geplant. Schon hier greifen zahlreiche Bildungsbereiche ineinander – z. B. von der Sprachbildung über das soziale Miteinander bis hin zur kognitiven Planungskompetenz. Das Story-Board verbindet analoge Kreativität mit digitaler Technik und ist ein innovatives Werkzeug für eine moderne, partizipative und inklusive Kita-Pädagogik.

Einsatz in der Weiterbildung

Dank der kostenlosen Dauerleihgabe von Mawi können wir in unseren Weiterbildungen, z. B. in der „160-Stunden-Qualifizierung“ oder Workshops „Sprache und Unterstützte Kommunikation“ sowie „Uneingeschränkte Teilhabemöglichkeiten“, das Story-Board einsetzen. So können pädagogische Kräfte selbstwirksam erleben, wie groß der pädagogische Mehrwert ist und wie einfach sich damit alle Bildungsbereiche in den Kita-Alltag integrieren lassen.
Hinweis: Das Story-Board wurde uns von Mawi kostenfrei zur Verfügung gestellt. Die Inhalte dieses Beitrags basieren jedoch auf unseren eigenen Praxiserfahrungen und Einschätzungen.

Weitere Informationen zum Story-Board finden Sie hier: https://www.mawi-spiele.de/Storyboard

Unsere Einladung an Sie – schauen Sie sich in Ihrer Kita um!

  • Was spricht dort mit den Kindern – ganz ohne Worte?
  • Welche Bilder, Zeichen oder Wörter begleiten sie durch den Tag?
  • Was könnte ergänzt werden, damit noch mehr Kinder mit ihren ganz eigenen Zugängen zur Sprache eingeladen werden?

Unser Workshop Uneingeschränkte Teilhabemöglichkeiten in der Kita unterstützt Sie dabei Räume und Umgebungen als ganzheitliche Bildungs- und Begegnungsräume zu gestalten, welche die Potenziale aller Kinder ansprechen.

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