In diesem Blogartikel stellen wir ein Buch vor, das eine vielfältige und kulinarische Welt für Kinder erklärt, in der wir über gemeinsam über den Tellerrand schauen.

Kinder können von Büchern begeistert werden, die nicht nur spannende Geschichten erzählen, sondern auch die Welt erklären, auf Augenhöhe, bildstark und mit Raum zum Nachdenken und Weiterdenken.

Buchtipp:
„Über den Tellerrand.
Was Kinder hier und anderswo essen“ von Gregg Segal

In diesem beeindruckenden Sachbilderbuch nimmt der amerikanische Fotograf LeserInnen mit auf eine Reise um die Welt. Bei der Reise durch das Buch begegnen BetrachterInnen über 50 Kindern aus verschiedenen Ländern: von Deutschland über Indien bis nach Brasilien.

Was dieses Buch ausmacht:

Im Buch werden Kinder porträtiert, umgeben von dem Essen, was ihren Alltag innerhalb einer Woche bestimmt. Die Fotos sind nicht nur kunstvoll und faszinierend, sondern eröffnen Gespräche über Ernährung, kulturelle Vielfalt und soziale Gerechtigkeit:

  • Was bedeutet eigentlich „gesund essen“ in verschiedenen Teilen der Welt?
  • Welche Vorurteile haben wir?
  • Warum isst der Junge in den USA viele Fertigprodukte?
  • Wieso bestehen die Mahlzeiten eines Mädchens in Malawi hauptsächlich aus Maisbrei und Gemüse?

Gerade in der Kita eignet sich dieses Buch hervorragend, um Kinder spielerisch und sensibel an Themen wie Ernährung, Vielfalt, Nachhaltigkeit und globale Unterschiede heranzuführen. Es lädt zum Staunen, Fragenstellen und Weiterdenken ein.

Pädagogische Impulse für die Kita:
  • Kreative Gespräche: Mit den Kindern über ihr eigenes Lieblingsessen sprechen und Unterschiede feiern. Essensituationen partizipativ gestalten und dabei fragen: Was essen wir innerhalb einer Woche?

  • Weltkarte entdecken: Die Herkunftsländer der porträtierten Kinder im Buch auf einer Weltkarte suchen.

  • Kochprojekt: Gemeinsam ein Gericht aus der Vielfalt an Ländern und Esskulturen nachkochen.

  • Foto-Projekt: Ein eigenes Kita-Fotoprojekt gestalten: Was essen unsere Kinder in einer Woche Zuhause?


Fazit:

„Über den Tellerrand“ ist kein klassisches Kinderbuch mit einer fortlaufenden Geschichte. Es ist ein Fenster in verschiedene Lebenswelten. Es regt zum Mitfühlen, Mitdenken und Mitmachen an. Genau das macht es zu einer wertvollen Begleitung im pädagogischen Alltag.
Ein außergewöhnliches Buch, das in keiner Kita-Bibliothek fehlen sollte, informativ, inspirierend und ein echter Gesprächsanstoß.

Faktencheck:
Essen und Ernährung in der Kita – Vielfalt, Gesundheit und Gemeinschaft

Gemeinsam essen ist ein Fest der Sinne und eine Sprache, die alle Kinder verstehen. Essenssituationen spielen in der Kita eine zentrale Rolle. Dabei geht es um weit mehr als reine Nahrungsaufnahme. Es verbindet Kinder, fördert ihre Entwicklung und spiegelt kulturelle Vielfalt wider.

Wieso ist Essen und Ernährung in der Kita ein so relevantes Thema?

Kinder bringen unterschiedliche Essgewohnheiten und kulturelle Hintergründe mit. Diese Vielfalt bietet eine wertvolle Chance, Offenheit und Respekt zu fördern. Ob vegetarisch, halal, koscher oder regionale Spezialitäten. Kitas sollten verschiedene Esskulturen* wertschätzen und berücksichtigen.

Dazu zählt auch die Tischkultur:

  • Womit essen wir?
  • Essen wir im Stehen oder auf dem Boden?
  • Welches Geschirr und Besteck nutzen wir?
  • Gibt es ein Gebet oder einen Tischspruch, der uns vor den Mahlzeiten wichtig ist?
  • Verstehen wir gemeinsame Mahlzeiten auch als einen Ausdruck von Kommunikation und in Verbindung sein?
  • Braucht es ein bestimmtes Mobiliar und eine besondere Atmosphäre, um einen Wohlfühlort zu transportieren?
  • Welche Entscheidung haben eigentlich Kinder an der Gestaltung ihrer Essensituationen?

* (vgl. Lamm, Bettina: Mahlzeiten in der KiTa kultursensitiv gestalten, nifbe e.V., 18.06.2019, www.nifbe.de/fachbeitraege/mahlzeiten-in-der-kita-kultursensitiv-gestalten, abgerufen am 12.08.26)

Eine ausgewogene und nährstoffreiche Ernährung ist wichtig für das Wachstum und das Wohlbefinden von Kindern. Frisches Obst und Gemüse, Vollkornprodukte und ausreichend Flüssigkeit sollten selbstverständlich sein. Zucker und stark verarbeitete Lebensmittel werden möglichst reduziert. Auch das regionale Angebot an Lebensmitteln kann ein Teil des Auseinandersetzungsprozesses zum Thema sein. Ein Besuch bei regionalen Anbietern bietet die Möglichkeit den Sozialraum intensiver einzubeziehen (z. B. mittels eines Besuch bei einem nahegelegenen Hofladen, Bauernhof, Supermarkt usw.).

Gemeinsame Mahlzeiten fördern soziale Kompetenzen. Rituale wie Tischdecken oder ein gemeinsames Dankeslied stärken das Zusammengehörigkeitsgefühl und den respektvollen Umgang* mit Lebensmitteln. Auch die Vielfalt an Tischkulturen, wie das sitzen auf dem Boden, Essen mit Stäbchen, den Händen usw. schenkt der Wertschätzung gegenüber Kulturenvielfalt und kann dabei auch gleichzeitig einen Bezug zur Lebenswelt der Kinder und ihrer Familien bauen.

*(vgl. Hohmann, Kathrin: Essen mit Freude – Entspannte Essensgestaltung, zuerst erschienen in: Klein & Groß, 05/2021, online unter: https://www.bo-paedagogik.de/magazin/essen-mit-freude, abgerufen am 12.08.26)

Kinder dürfen in ihrem eigenen Tempo essen und lernen, auf ihr Hunger- und Sättigungsgefühl zu hören bzw. es zu entwickeln. Druck und Zwang sind zwingend zu vermieden, um ein gesundes Essverhalten zu unterstützen und ihr Mitbestimmungsrecht und –gestaltungsrecht erfahrbar zu machen. Dies ist zentraler Bestandteil eines demokratischen,* Kinderechtsorientierten und bestärkenden Alltags im Sinne des Kinderschutzes. Die Beteiligungsrechte** der Kinder sind somit immer mitzudenken, anzubieten und umzusetzen.

*(vgl. Vernetzungsstelle Kitaverpflegung Niedersachsen: Demokratiebildung und Partizipation am Esstisch, Interview mit M. Drexhage, I. Hofmann und J. Krankenhagen, veröffentlicht auf nifbe.de, 10.01.2023, www.nifbe.de/fachbeitraege/demokratiebildung-und-partizipation-am-esstisch, abgerufen am 12.08.26)
** (vgl. Hoffmann, Silke / Schönau, Henrike: Partizipation beim Essen und Trinken, Bundeszentrum für Ernährung (BZfE), Stand: 14.10.2024, www.//www.bzfe.de/schule-und-kita/kitaleben-gestalten/partizipation-beim-essen-und-trinken, abgerufen am 12.08.26)

Allergien, Unverträglichkeiten oder besondere Essenswünsche müssen berücksichtigt werden, damit sich alle Kinder wohl und sicher fühlen. Ebenso sollten Kinder die Mahlzeit-Situationen selbstwirksam* gestalten, um autonomes Handeln** wirklich erleben zu können.

* (vgl. Haug-Schnabel, Gabriele: Weil Essen mehr ist – Essen und Selbstbestimmung von Anfang an, in: TPS – Theorie und Praxis der Sozialpädagogik, 2/2016, S. 4–6, online unter: www.verhaltensbiologie.com/publizieren/fachartikel/PDF/EB22.pdf, abgerufen am 12.08.2026
**(vgl. IN FORM – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung: Handout Partizipation, bereitgestellt über Unser Kitaessen, o. J., www.unser-kitaessen.de/MediaBasePublic/show/103/LP4M3_Handout_Partizipation.pdf, abgerufen am 12.08.2026

Gemeinsam essen in Kitas mit Kindern heißt nicht nur Nahrung teilen, sondern auch Zeit, Geschichten und Nähe.

Unser Herz schlägt für die Entwicklung von Kindern und deren Begleitung in Kindertageseinrichtungen.
Unser dreitägiger Workshop Inklusion in der Kita – inklusiv(er) handeln gibt dir Raum, Impulse und echte Praxispower dafür.

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