Bilderbücher in der Kita sind hilfreich, um die Sprachbildung von Kindern zu fördern.
Sie laden Kinder zum Staunen, Mitfühlen und Fragen ein. Sie eröffnen neue Welten – manchmal leise, manchmal laut – und geben Raum für Gespräche über das, was Kinder bewegt.

In dieser
monatlichen Reihe stellen wir Bilderbücher vor, die Impulse geben für eine vielfältige, inklusive und sprachfördernde Pädagogik.

In einem pädagogischen Alltag, der oft von Zeitdruck und Routinen geprägt ist, braucht es immer wieder kleine Momente des Staunens und Bücher, die diese ermöglichen.

„Die Reise“ von Aaron Becker ist genauso ein Buch. Es ist still, es ist magisch und gerade deshalb ist es für die Arbeit mit Kindern in der Kita von unschätzbarem Wert.

Buchtipp:
Die Reise“ – Sprachbildung ganz ohne Worte

„Die Reise“ ist ein reines Bilderbuch, denn es kommt ohne einen einzigen geschriebenen Satz aus.
Gerade darin liegt die Kraft des Buches: Es erzählt die Geschichte eines Kindes, das sich mit einem roten Wachsmalstift in eine fantastische Welt hineinzeichnet. Was als grauer Alltag beginnt, wird zu einem Abenteuer voller Luftschiffe, geheimnisvoller Städte, Abenteuer und mutiger Entscheidungen.

Ich selbst konnte bei der Betrachtung des Buches mit Kindern zahlreiche leuchtende Augen und wissbegieriges Seiten umblättern während der Entdeckung der Geschichte wahrnehmen. Die Bildwelten laden ein zum Entdecken, Fragen, Beschreiben und Weitererzählen – also zu genau dem, was wir in der frühkindlichen Sprachbildung brauchen.

Was dieses Buch ausmacht:

Das Buch richtet sich an Kinder im Kindergartenalter und an alle, die mit ihnen leben, lernen und wachsen. Gerade in einem Setting, das sprachliche Vielfalt und unterschiedliche Entwicklungsschritte vereint, bietet „Die Reise“ einen echten Schatz: ein Raum, in dem alle Kinder mitsprechen können – auf ihre eigene Art.

  • Niedrigschwellig und inklusiv: Weil es keine Worte vorgibt,
    ist es sprachunabhängig einsetzbar – ideal auch für Kinder mit geringen Deutschkenntnissen oder Unterstützungsbedarf in der Kommunikation.

  • Anregung für Dialoge:  Jede Seite ist ein Gesprächsanlass. Kinder beginnen ganz von selbst zu erzählen: „Warum fliegt das Boot?“ – „Wohin geht das Kind?“ – „Ich glaube, das ist ein Schlüssel!“
  • Fantasie und Erzählkompetenz: Kinder werden zu GeschichtenerzählerInnen. Sie verknüpfen Bildimpulse mit eigenen Ideen und machen dabei erste wichtige Schritte in narrativer Kompetenz.
  • Entspannter Tagesstart: Als Angebot im Morgenkreis, in Kleingruppen oder in Ruhephasen schafft „Die Reise“ einen sanften Rahmen für vertiefende Gespräche – besonders für Kinder, die sonst wenig sprechen.


Fazit:

Ein Buch mit großer Wirkung. „Die Reise“ zeigt, dass es nicht immer viele Worte braucht. Manchmal reicht ein roter Stift (Symbol aus und im Buch), ein Blick ins Bild und eine pädagogische Kraft, die Raum gibt für Fantasie und Erzählen.

So kann Sprachbildung lebendig, kreativ und kindgerecht gestaltet werden– genau dort, wo Kinder sie am meisten brauchen: in Ihrem Alltag.

Faktencheck:
Alltagsintegrierte Sprachbildung von Kita-Kindern

Alltagsintegrierte Sprachbildung meint: Jede Situation im Betreuungsalltag kann zur Bestärkung der Sprachfähigkeit von Kindern genutzt werden. Ob beim Ankommen, in der Garderobe, im Morgenkreis, beim Essen oder im Spiel – wenn pädagogische Kräfte den Tag durch Erklärungen, Beschreibungen oder Fragen begleiten, entstehen natürliche Gesprächsanlässe im „Alltag“.
Mehr zur Alltagsintegrierten Sprachförderung können Sie in einem separaten Blogartikel nachlesen: hier klicken.

Ein zentrales Ziel in einem lernfreudigen Kita-Alltag ist die alltagsintegrierte Sprachbildung. „Die Reise eignet sich dafür, weil es Sprachbildung nicht als Förderstunden begreift, sondern in die erlebte Kita-Praxis integriert:

  • Im Morgenkreis kann eine einzelne Seite des Buches betrachtet und gemeinsam erschlossen werden: „Was sehen wir? Was könnte passieren?“
  • In der Bauecke oder im Rollenspiel lassen sich Szenen nachspielen, mit eigenen Worten erzählen oder umgestalten.
  • Kinder können selbst „magische Türen“ malen, durch die sie reisen und anschließend ihre eigenen Geschichten dazu erzählen.
  • Für mehrsprachige Kinder ist das Buch eine wunderbare Brücke: Sie können in ihrer Familiensprache erzählen und gemeinsam mit den pädagogischen Kräften oder anderen Kindern nach deutschen Wörtern suchen.

Unser Herz schlägt für die Entwicklung von Kindern und deren Begleitung in Kindertageseinrichtungen.
Unser Workshop Sprache und unterstützte Kommunikation zeigt die Bedeutung von Sprache für den Kita-Alltag auf und gibt Handlungsimpulse, damit möglichst alle Kinder teilhaben können.

Ganz nach dem Motto:
„Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“
Ludwig Wittgenstein

Mehr über uns und unser Angebot auf unserer Webseite:
www.fokus-kita.de

Hier teilen wir alle bisher veröffentlichten Buchtipps von Fokus Kita: