Es gibt Kinderbücher, die bleiben nicht im Regal stehen, sondern wirken nach. Weil sie etwas treffen, das im Alltag zwar sichtbar sein kann, aber selten wirklich benannt wird. Dieser Beitrag stellt genau so ein Buch vor und zeigt im Anschluss, warum es sich lohnt, in der Begegnung mit Armut und sozialer Ungleichheit genauer hinzuschauen und im Alltag sensibler zu werden.

Armut (vgl. Koné Armutssensibles Handeln in der Kita, abgerufen am 04.08.2026) ist für Kinder kein abstrakter Begriff, sie erleben sie ganz konkret: beim fehlenden Frühstück, bei kaputten oder unpassenden Schuhen, bei der Unsicherheit oder bei der Angst, „sich ausgeschlossen“ zu fühlen.

Armut kann dazu führen, dass Teilhabe eingeschränkt wird, oft leise und übersehen. Umso wichtiger ist es, dass pädagogische Kräfte achtsam und vorurteilsbewusst auf diese Lebensrealität reagieren.

Buchtipp:
„Ich gehöre dazu – Selbstakzeptanz und Zugehörigkeit

Tom Percival vermittelt in seinem Buch „Ich gehör dazu!“ eine wichtige Botschaft: Selbstakzeptanz und den eigenen Platz in der Gemeinschaft zu finden, sind essenzielle Grundbedürfnisse, um sich zugehörig zu fühlen und gesellschaftliche Teilhabe aktiv leben zu können. Mit lebensnahen Illustrationen und einer sensiblen Geschichte behandelt das Buch u. a. das Thema Armut und die Herausforderungen, die damit verbunden sein können.

Die Geschichte begleitet ein Kind, das sich oftmals ausgeschlossen, unsichtbar, „am Rand fühlt“ oder wahrnimmt und Unterschiede zu Personen im unmittelbaren Lebensumfeld erkennt. Die Familie des Kindes verfügt über wenig materielle Ressourcen, was die Zugehörigkeit der gesellschaftlichen Teilhabe erschwert. Doch im Laufe der Geschichte bemerkt das Kind, dass wahre Gemeinschaft nicht von materiellen Gütern abhängt, sondern von Freundschaft, Mitgefühl und gegenseitigem Verständnis.

Die Botschaft des Buches:
Alle Menschen sind wertvoll, so wie sie sind. Jede Person hat ein Talent und niemand sollte sich ausgeschlossen oder unsichtbar fühlen müssen.

Was dieses Buch ausmacht:

Tom Percival schafft es, mit wenigen Worten und eindrucksvollen Bildern starke Emotionen zu vermitteln.
Das Spiel mit den Bildfarben und ausdrucksstarken Szenen lädt zum Nachdenken und zum Dialog über die Abbildungen und die feinumwobene Geschichte ein. Gerade für Kinder, die Unsicherheiten oder soziale Herausforderungen erleben, sei es durch finanzielle Sorgen der Familie oder andere subjektiv empfundene Unterschiede, kann dieses Buch nicht nur Trost spenden, sondern vor allem auch Mut machen.

Ebenso lädt es dazu ein, den eigenen Blickwinkel zu weiten und in eine Welt einzutauchen, die Veränderung und Mannigfaltigkeit als Bereicherung erlebt.

Ein Buch, das sich wunderbar für Familien und pädagogische Kräfte eignet, um mit Kindern über Gemeinschaft, Selbstvertrauen, soziale Ungleichheit und Inklusion zu sprechen. Es ermutigt, offen auf Menschen und unterschiedliche Lebenswelten zuzugehen und zeigt, dass die Welt durch Vielfaltsreichtum aufblüht und an Tiefe gewinnen kann.


Fazit:

Mit seinem Bilderbuch rückt Percival unterschiedliche Lebensrealitäten in den Fokus.

In klaren, eindrücklichen Szenen zeigt er, wie sehr Respekt, Annahme, Gemeinschaft und Zugehörigkeit das Zusammenleben prägen. Ein einladend gestaltetes Bilderbuch mit einer wichtigen Botschaft:

JEDER MENSCH HAT ES VERDIENT GESEHEN ZU WERDEN!

Ein Geschenk für jede Kinder- und Erwachsenbibliothek!

Faktencheck:
Alltagsgestaltung in der Kita – Armut sensibel begegnen

Wichtig ist: Armut ist eine gesellschaftliche Realität. In Kita darf sie nicht zur Ausgrenzung führen. Pädagogische Kräfte sind gefragt, Alltagsgestaltung so zu denken, dass alle Kinder und ihre Familien mitmachen können, ohne sich zu erklären.

  • fehlende oder ungünstige Kleidung für Wetter und Ausflüge
  • keine Brotdose, kein Frühstück, kein Zugang zu gesunder Ernährung
  • seltene Teilnahme an kostenpflichtigen Angeboten
  • Rückzug oder Schamverhalten bei Vergleichen („Ich hab das nicht…“)
  • eingeschränkter Medien- und Kulturbesuch
  • emotionale Belastung durch Unsicherheiten im Familiensystem uvm.

Teilhabe ermöglichen ohne Ausgrenzung:

  • Ausflüge, Feste und Projekte so planen, dass keine zusätzlichen Kosten entstehen
  • Sachspenden (z. B. Kleidung, Rucksäcke, Matschhosen) niedrigschwellig zugänglich machen
  • Tauschbörsen als selbstverständlichen Teil in den Kitaräumen zur Verfügung stellen (z. B. ein Regal oder einen Schrank mit Kleidung, Büchern, Spielzeug zum Tauschen, den Familien und Kita selbstbestimm befüllen; dieser Schrank/ das Regal befindet sich an einem geschützten Ort, der nicht direkt einsehbar ist)
  • Gemeinsames Frühstück oder sonstige Gelegenheiten zum gemeinsamen Essen oder Snack anbieten (für alle organisieren, ohne Zwang, ohne Stigma)

Vorurteile abbauen und Vielfalt respektieren:

  • Bücher, Rollenspiele und Gesprächsanlässe nutzen, um unterschiedliche Lebensrealitäten sichtbar zu machen – ohne Wertung
  • Gemeinsam überlegen: Was brauchen wir alle, damit es gerecht ist? Denn es gilt dabei der wertvolle Merksatz: Gleich ist nicht gerecht! Jeder Mensch ist eine individuelle Persönlichkeit und dementsprechend braucht jeder Mensch auch etwas anderes.
  • Die sogenannte „Extrawurst“ ermöglichen, denn wir sind alle verschieden und jede Person benötigt unterschiedliche Möglichkeiten, um wirkungsvolle, selbstbestimmte und uneingeschränkte Teilhabe zu spüren.

Beziehung stärken und Familien wertschätzend begegnen:

  • Familien nicht über finanzielle Güter definieren, sondern in ihrem Intressen für das Kind sehen
  • Ansprechbar bleiben, ohne Druck, ohne Vorwurf
  • Unterstützungsangebote niedrigschwellig und diskret kommunizieren (z. B. Kita-Sozialarbeit, Bildungs- und Teilhabepaket)
  • Netzwerkarbeit transparent gestalten (z. B. mittels „sprechender Wände“ über Bildungsangebote und Unterstützungssysteme im unmittelbaren Sozialraum informieren sowie Famillienabende/ – nachmittage zum Thema anbieten)

Geburtstage inklusiv gestalten:
Einheitliche Rituale statt materielle Mitbringsel. Kinder dürfen mitgestalten, ohne dass Zuhause etwas vorbereitet werden muss.

Gefühle benennen und Zugehörigkeit stärken:
Bücher, Spiele und Dialoge sowie Gesprächskreise nutzen, um über „reich und arm“, „Wünsche haben“ usw.  zu sprechen – kindgerecht und wertfrei.

Spielzeug-Tag überdenken bzw. ganzheitlicher gestalten:
Eine Kiste mit unterschiedlichen Spielmaterialien zur Verfügung stellen, aus der die Kinder sich etwas zum Spielezeug-Tag aussuchen dürfen.

Lebensrealitäten von Kindern und ihren Familien in einer Fallbesprechung im Team reflektieren und sichtbar machen sowie durch die Erziehungs- und Bildungspartnerschaft untermauern:
Hierzu eignet sich eine vertiefende Auseinandersetzung sowie Implementierung des Lebenslagenansatzes für Kindertageseinrichtung. Hier ein näher Einblick zum Thema: Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) (2025): Gemeinsam wachsen – Netzwerke als Instrument der Qualitätsentwicklung. Berlin. Zum PDF

Zum Weiterdenken empfehlen wir das kurze Video „Chancengleichheit: Erfolg wird in die Wiege gelegt“. Es hilft dabei, eigene Denkmuster zu hinterfragen und einen bewussteren Blick auf das Thema zu entwickeln.
Quelle: Extra 3 (ARD/NDR): Chancengleichheit: Erfolg wird in die Wiege gelegt. https://www.ardmediathek.de/video/extra-3/chancengleichheit-erfolg-wird-in-die-wiege-gelegt/das-erste/Y3JpZDovL25kci5kZS9iMmZkYzhlNi00NGFmLTQ2YTktYTJjNi1kNmM4N2JjYWU2Y2I, abgerufen am 04.08.2026

Unser Herz schlägt für die Entwicklung von Kindern und deren Begleitung in Kindertageseinrichtungen.
Unser Workshop Inklusion in der Kita – inklusiv(er) handeln unterstützt dabei eine Kita als Lebensraum zu gestalten, in dem sich alle willkommen und angenommen fühlen.

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